Der Feenkönig Dagda

 

An einem ersten Maitag vor langer langer Zeit wurde der Himmel im Herzen Irlands von einer großen Wolke verdunkelt, die sich über dem Gipfel des Berges Conmaice Réin zusammenballte. Dort hing sie drei Tage lang tief und unbeweglich. Als sie sich schließlich auflöste und in Schwaden aufs Meer hinaus trieb, strömten Heerscharen glitzernder Krieger den Berg hinab, besiegten die ansässigen Fomori und nahmen die grüne Insel in Besitz.

Diese Feenkrieger waren von verzauberten Inseln weit im Westen gekommen, und die Menschen nannten sie die "Tuatha de Danann", das Volk der Göttin Danu (Dana), einer Muttergöttin des luftig-feurigen Prinzips, deren Symbol der Adler war. Eine alte Schrift preist sie als "bezaubernde Schar, von höchst lieblicher Gestalt und vornehmer Ausstattung und von einem musikalischen Gefühl und Temperament begabt wie kein anderer, der je nach Irland kam".

Sie verfügten über magische Talismane, die ihnen erstaunliche Kräfte verliehen: einen unfehlbaren Speer und ein Schwert, das kein Feind bezwingen konnte sowie einen Kessel voller Nahrung, der niemals leer wurde, von ihnen "Undry" genannt. Feiglingen und Eidbrechern aber verweigerte Undry die Nahrung.

Das Oberhaupt dieser goldenen Gesellschaft war der Hochkönig, der viele Namen trug, darunter "Herr allen Wissens", "Aller Vater" und "Sonne der Erkenntnis". Meist wurde er jedoch als "Dagda" , das bedeutet:"Guter Gott", bezeichnet.

Dieser Name bezog sich aber nicht auf seine Tugendhaftigkeit, denn er war ein grausamer, gefräßiger Krieger, sondern auf seine Macht als Oberhaupt des Feenvolkes. Er besaß eine Keule, deren eines Ende neun Männer auf einen Schlag töten, deren anderes Ende aber Leben bringen konnte. Die Klänge seiner lebendigen Harfe, die er selbst aus Eichenholz geschnitzt hatte und die den Namen "Uaithne" trug, verzauberten Mensch und Tier gleichermaßen, denn er war ein magischer Harfner und beherrschte die Kunst der drei "Schicksalsweisen": eine Weise des Lachens (der Jugend), eine des Seufzens (des Alters) und eine des Schlafes (des Todes).

Einmal gelang es den Fomori auf einem ihrer Streifzüge, die Harfe des Dagda zu rauben. Damit bekamen sie Macht über die Seelen der Geschöpfe und die Jahreszeiten. Der Dagda aber suchte seine Harfe und als er sie fand, "schwamm" sie durch die Luft und sprang ihm von selbst in die Hand.

Wie lange die Herrschaft der Tuatha währte, weiß niemand. Viele Zeitalter später aber wurden sie trotz ihrer magischen Talismane von den Söhnen des Gottes MILE besiegt und flüchteten in ihre unterirdischen Paläste, in das sich unter den Dolmen oder auf dem Grund der Seen ausbreitende Elfenreich "Sid". Der Dagda gründete allein vier neue Königreiche, die er jeweils einem seiner Söhne übergab. Er behielt aber dennoch die Oberherrschaft über das gesamte Feenvolk. Besiegt, aber keineswegs vernichtet erzählen noch heute die Legenden von den versunkenen Stämmen der Tuatha de Danann und ihren Versuchen der Wiedereroberung ihrer verlorenen Macht.

(Autor: Faye)

Abbildung: Hügelbild "The Giant of Cerne Abbas", Dorset/England, etwa 1. Jh.v.u.Z.

 

 

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