Das keltische "Rad des Jahres" umfasst 8 heilige Feste, wovon 4 durch Wende- und Höhepunkte der Umlaufbahn der Erde um die Sonne gegeben sind.

Scheinbar bewegt sich dadurch die Sonne vor dem Hintergrund der 12 Tierkreis-Sternbilder. Diese gedachte Sonnenbahn wird Ekliptik genannt. Sie schneidet den Himmelsäquator an zwei Stellen, dem Frühlingspunkt im Widder und dem Herbstpunkt in der Waage. Die Winter- und Sonnenwendpunkte nennt man auch Solstitien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Zyklus beginnt mit der Wintersonnenwende um den 22.Dezember, es folgt die Frühlings-Äquinox (Tag- und Nachtgleiche) etwa am 21. März, die Sommersonnenwende etwa am 21. Juni und die Herbstäquinox ca. am 23. September. Die genauen Zeitpunkte kann man jeweils den Ephemeriden entnehmen.

Die anderen vier dazwischen liegenden Feste gehören dem agraischen Zyklus an und regelten Saat- und Erntezeiten und den Viehaustrieb. Sie liegen am 2. Februar (Lichtmess), am 30. April (Walpurgisnacht), am 1. August (Schnitterfest) und am 31. Oktober (Halloween).

 

Julfest (Wintersonnenwende, 20. bis 23. Dezember)

"Dies ist die Nacht der Sonnenwende, die längste Nacht des Jahres. Nun triumphiert die Dunkelheit; und doch gibt sie nach und wandelt sich zum Licht. Der Atem der Natur setzt aus: Alles wartet, während im Hexenkessel der König der Finsternis in das Kind des Lichtes verwandelt wird. Wir warten auf den Anbruch der Dämmerung, da die Große Mutter wieder das Göttliche Kind Sonne gebiert, das uns Hoffnung und das Versprechen des Sommers bringt. Dies ist die Ruhe hinter der Bewegung, wenn die Zeit selber stillsteht; von allem der Mittelpunkt, der gleichzeitig Umkreis ist. Wir sind wach inmitten der Nacht. Wir drehen das Rad, damit das Licht zu uns komme. Wir rufen die Sonne aus dem Schoß der Nacht. Seid gesegnet!" (1)

 

Brigid (Lichtmess 2. Februar)

"Dies ist das Fest des zunehmenden Lichtes. Was zur Wintersonnenwende geboren wurde, beginnt sich zu festigen. Wir...sehen nun das Sonnenkind erstarken, während die Tage sichtbar länger werden...Es ist die Zeit der Initiation, des Beginns, da die Saat, die später aufgehen und wachsen wird, langsam aus ihrem tiefen Schlaf erwacht..." (2)

 

Ostara (Frühlingsäquinox, 20. bis 23. März)

"Dies ist die Zeit, da der Frühling wiederkehrt; die fröhliche Zeit; die Zeit des Säens, wenn das Leben aus der Erde hervorbricht und die Ketten des Winters gesprengt werden. Licht und Dunkel sind von gleicher Dauer; es ist eine Zeit des Gleichgewichts, da alle Elemente in uns zu neuer Harmonie finden müssen. Der Sonnenprinz streckt seine Hand aus und Kore, die Dunkle Jungfrau, kehrt aus dem Land des Todes zurück. Sie ist eingehüllt in den frischen Regen und atmet den süßen Duft der Sehnsucht. Wo sie hintreten, sprießen wilde Blumen empor. Während sie tanzen, verwandelt sich Verzweiflung zu Hoffnung, Trauer zu Freude, Mangel zu Überfluss. Mögen sich unsere Herzen mit dem Frühling öffnen. Seid gesegnet!" (3)

 

Beltane (Walpurgisnacht, Maifest, 30. April)

"Dies ist die Zeit, da sich süßes Verlangen mit Entzücken paart. Die Frühlingsjungfrau und der Herr des zunehmenden Jahres begegnen einander in den grünenden Auen und vereinigen sich unter der warmen Sonne. Der Speer des Lebens verwebt sich zu einem spiraligen Netz, und die gesamt Natur erneuert sich. Wir sind zur Zeit der Blüte zusammen gekommen, um den Tanz des Lebens zu tanzen." (4)

 

Litha (Sommersonnenwende, 20. bis 23. Juni)

"Dies ist die Zeit der Rose, der Blüten und Stacheln, des süßen Duftes und des Blutes. Heute ist der längste Tag, das Licht triumphiert, und doch beginnt der Abstieg in die Finsternis. Der reife Sonnenkönig umarmt die Sommerkönigin mit der Liebe, die Tod bedeutet, da sie so vollkommen ist, dass sich alles in einem einzigen Gesang weltenbewegender Ekstase auflöst. So löst sich der Herr des Lichtes von seinem Selbst und segelt über die dunklen Meere der Zeit, um die Insel des Lichtes zu suchen: die Wiedergeburt. Wir drehen das Rad und teilen sein Schicksal, denn wir haben die Saat unserer eigenen Wandlung gesät, und um wachsen zu können, müssen wir auch das Hinscheiden der Sonne bejahen." (5)

 

Lugnasad (1. August, Schnitterfest)

"Dies ist das Fest des Lug, des Sonnenkönigs, der mit dem niedergehenden Jahr stirbt; des Kornkönigs, der stirbt, wenn das Getreide geschnitten wird...Auf den Feldern ist das Getreide gereift, aber noch nicht geerntet...Die Mutter wird nun zur Schnitterin, zur Unerbittlichen, die sich vom Leben nährt, damit neues Leben heranwachse. Die Helligkeit nimmt ab, die Tage werden kürzer, der Sommer geht vorbei. Wir kommen zusammen und drehen das Rad, denn wir wissen, dass wir säen müssen, um zu ernten, und dass Licht und Wärme in den Winter übergehen müssen." (6)

 

Mabon (Herbstäquinox, 20. bis 23. September)

"Dies ist die Zeit der Ernte, des Danksagens und der Freude, des Abschiednehmens und der Trauer. Tag und Nacht sind nun gleich, in vollkommenem Gleichgewicht...Der Sonnenkönig wurde zum Herrn der Schatten und segelt gen Westen: Wir folgen ihm in die Finsternis. Das Leben neigt sich dem Ende zu. Die Zeit der Unfruchtbarkeit ist über uns gekommen, doch wir sagen Dank für die eingebrachte Ernte. Wir kommen zusammen und drehen das Rad und weben den Faden des Lebens, der uns durch die Finsternis leiten wird." (7)

 

Samhain (Halloween, Frau Holle, 31. Oktober)

"Dies ist die Nacht, da der Schleier zwischen den Welten durchsichtig wird. Es ist das Neue Jahr angesichts des sterbenden alten, da die Ernte eingebracht ist und die Felder brach liegen, denn heute Nacht ist der König des vergehenden Jahres über das sonnenlose Meer gesegelt, das der Schoß der Mutter ist; heute Nacht betritt er das Ufer der Schimmernden Insel, das leuchtende Welt-Ei, und wird zur Saat seiner eigenen Wiedergeburt. Die Tore zu Leben und Tod sind offen; das Sonnenkind wird empfangen; die Toten wandeln, und den Lebenden enthüllt sich das Geheimnis: dass jedes Ende nur ein neuer Beginn ist. Wir begegnen einander in der Zeit außer der Zeit, überall und nirgendwo, hier und dort, zu grüßen den Herrn des Todes, der Herr des Lebens ist, zu grüßen die Dreifache Göttin, die der Kreis der Wiedergeburt ist." (8)

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Zitate 1-8 aus: Starhawk "Der Hexenkult als Ur-Religion der Größen Göttin", Goldmann 1992 (Originaltitel: The Spiral Dance. A Rebirth of the Ancient Religion of the Great Goddess. New York 1979 by Miriam Simos)

 

 

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